Interview im ZineZine mit Andreas Dölling (fanzine-index.de)
Auszug aus dem im September 2004 per E-Mail geführten Interview von Christian Schmidt (CS) vom „ZineZine“ mit Andreas Dölling (AD), dem Betreiber von fanzine-index.de.
(Hinweis: Alle Rechte an diesem Interview liegen bei Christian Schmidt und Andreas Dölling.)
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- CS: Wie kam die Idee zu fanzine-index.de zustande und welche Motivation steckt dahinter?
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AD: Neben meiner Begeisterung für das Fanzine-Machen gibt es zwei Ideen, die dem Projekt zugrundeliegen.
Zum einen möchte ich eine Plattform anbieten, welche es ohne große Kosten ermöglicht, den Austausch unter den Aktiven der Fanzine-Szene zu fördern. Es gibt zig Heftchen und noch mehr Web-Zines allein im deutschsprachigen Raum, aber die meisten Herausgeber wursteln allein vor sich hin und erhalten damit natürlich auch nur eher wenig Resonanz. Dabei ist aber gerade die Resonanz – vom Publikum, von anderen Fanzine-Machern und auch von den etablierten Medien (ich sage bewußt nicht „kommerziellen“, da auch Fanzines kommerziell sein dürfen) – ein wichtiger, vielleicht der wichtigste Antrieb für die Veröffentlichung eines eigenen Magazins.
Dabei geht es nicht nur um Lob und Anerkennung, sondern z.B. auch um praktische Tipps von „alten Hasen“ (von Vervielfältigungstechniken bis hin zu rechtlichen Fragen). Es ist auf Dauer ganz einfach langweilig und unbefriedigend, im eigenen Saft zu schmoren. Und es ist natürlich auch schwierig, so etwas wie Lesungen und Ausstellungen zu organisieren, wenn mann ganz auf sich alleine gestellt ist.
Der zweite Punkt ist die Stellung, welche die vielfältige Fanzine-Szene in der öffentlichen Aufmerksamkeit einnimmt – sie spielt ganz einfach keine Rolle. Und ich fände es schön, daran etwas zu ändern und damit der Verflachung und Verarschgeigung in den etablierten Medien etwas entgegenzusetzen. Ich ärgere mich regelmäßig darüber, dass Herausgeber von Zeitungen, Buchverlage und Fernseh- und Radiosender den größten Hohlbirnen und talentfreiesten Pennern immer wieder alle Chancen geben, vom Geld ganz zu schweigen, während gleichzeitig jede Menge guter, zum Teil brillanter, in jedem Falle engagierter Leute im „Underground“ aktiv sind und Kultur produzieren – ob nun als Schriftsteller, Zeichner, Dichter, Musiker oder Verleger von „Low/No-Budget“-Projekten.
Diese Leute haben wenigstens einen Bruchteil der Aufmerksamkeit verdient, welche im Moment nicht nur von den etablierten Medien, sondern natürlich auch von uns als Medien-Nutzer für tolle Sachen wie die Kahn-Biographie, Tratsch-Shows von Christiansen bis Beckmann, Polizei-Spanner-Berichte, die Anke-Engelke-Show, TV Total oder irgendwelche drittklassigen „Comedians“ und „Superstars“ aufgewendet wird.
Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie schwer es ist, ein neues Non-Profit-Projekt – und um solche handelt es sich bei den meisten, auch bei den scheinbar teuren Fanzines – auch nur im engsten lokalen Bereich einigermaßen bekannt zu machen, geschweige denn Leute zum Mitmachen zu animieren.
Diese Situation wird fanzine-index.de natürlich nicht im großen Rahmen und schon gar nicht von heute auf morgen ändern können, klar (schließlich entscheidet letztlich die Nachfrage durch uns Verbraucher, was gedruckt, gesendet und gehypt wird). Aber ich denke, der Versuch lohnt sich, bei den Leuten etwas mehr Interesse für die vielfältige Zine-Szene zu wecken – und das geht nur durch Bündelung der Kräfte.
Die Online-Plattform fanzine-index.de bietet die Möglichkeit, die Kontakte und „Fangruppen“ der einzelnen Magazine an einem Ort zusammenzubringen, wo sie neue Publikationen entdecken können, von denen sie sonst wahrscheinlich niemals etwas gehört hätten.
Man könnte also sagen, dass ein Ansatz von fanzine-index.de ein gemeinsames „Marketing“ ist, von dem alle Fanzines profitieren könnten. Das Internet ist das ideale Medium für solch ein Vorhaben, denn zum einen ist es mittlerweile für sehr viele Menschen verfügbar und zum anderen bietet es die Möglichkeit, Inhalte aktuell und ohne hohe Kosten einer – theoretisch – sehr großen Öffentlichkeit zu präsentieren. - CS: Die Website steht mittlerweile seit etwa einem Jahr im Netz, aber bislang haben sich nicht besonders viele Fanzines in das Verzeichnis eingetragen. Woran, denkst du, könnte das liegen?
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AD: Da muss ich mir sicher selbst einen guten Teil der Schuld geben, denn ich habe bislang noch nicht besonders aktiv die Werbetrommel für fanzine-index.de gerührt, zum Teil auch, weil ich in den letzten für mich recht turbulenten Monaten auch wenig Zeit hatte, mich um das Projekt zu kümmern [...].
Allerdings bin ich natürlich auch auf die Mithilfe der anderen Fanzine-Macher angewiesen. Ganz wichtig ist dabei Propaganda! Das Projekt fanzine-index.de kann nur funktionieren, wenn die Leute wissen, dass es überhaupt existiert.
Hilfreich sind Verlinkungen auf Websites von Fanzines (danke an deiser Stelle an die Macher der bereits im Verzeichnis vertretenen Online-Magazine, die fast alle sofort und ohne Nachfrage meinerseits einen Link geschaltet haben – Leute, ihr seid auf Zack!). Und natürlich Hinweise und Werbung in Print-Zines. Erzählt anderen Fanzinern und Interessierten – und gerne auch Nicht-Interessierten – von dem Projekt!
Und ebenfalls wichtig: die Herausgeber der im Index aufgelisteten Publikationen sollten den Eintrag ihres Magazins aktuell halten [...]. Ein Fanzine-Verzeichnis mit veralteten Informationen ist wertlos und wird selbstverständlich scheitern. - CS: Gibt es eigentlich irgendwelche Bedingungen, um sich in deinem Verzeichnis einzutragen? Und setzt du dir auch gewisse Grenzen, was die Aufnahme von „problematischen“ Fanzines angeht? In den USA gibt es ja beispielsweise ähnliche Projekte, die klar sagen, dass beispielsweise rassistische oder sexistische Zines nicht in ihr Verzeichnis aufgenommen werden.
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AD: Ich schaue mir die Zines, die in das Verzeichnis von fanzine-index.de aufgenommen werden wollen, natürlich vorher so genau an, wie es meine Zeit zuläßt. Nazi-Zeug hat keine Chance. Sexistische Fanzines sind mir bislang ehrlich gesagt noch nicht untergekommen oder aber ich habe sie nicht als solche wahrgenommen.
Aber auch hier gilt wieder: Mithilfe ist wichtig. Wenn ihr in einer der gelisteten Publikationen problematische Inhalte erkennt oder zu erkennen meint, dann schickt mir einfach eine Mail!
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Grundsätzlich möchte ich den Rahmen zulässiger Inhalte aber eher weit halten, d.h. ich werde mich nicht am „guten Geschmack“ ausrichten oder meinen eigenen Geschmack als Richtwert zugrundelegen. Ich möchte es vermeiden, dass bei fanzine-index.de eine Zensur ausgeübt wird.
Und sonst – was die Aufnahmevoraussetzungen angeht:
- es muss sich um ein Online- oder Print-Magazin handeln, das nichthauptsächlich in einer Gewinnerzielungsabsicht publiziert wird
- ich muss etwas sehen, anhand dessen ich die Inhalte prüfen kann, brauche also ein aktuelles Print-Exemplar oder/und einen Link zur Website
- das Fanzine muss noch existieren (für verblichene Projekte soll es später bei fanzine-index.de ein Archiv geben)
- gebt bitte eure Kontaktdaten möglichst vollständig an („anonyme“ Einträge nützen weder euch noch fanzine-index.de etwas)
- CS: In der Vergangenheit gab es ja einige Versuche, möglichst aktuelle und umfassende Verzeichnisse bestehender Zines zu veröffentlichen. Die meisten scheiterten jedoch an der Schnelllebigkeit von Fanzines und/oder daran, dass das ganze irgendwann so viel Zeit, Geld und Nerven gekostet hat, dass sie wieder aufgegeben wurden. Wie gehst du mit diesen Problemen um? Ist es eigentlich der Anspruch deines Projekts so aktuell und umfassend wie nur möglich zu sein?
- AD: Ich betrachte das Projekt fanzine-index.de, wie schon gesagt, als Angebot. [...] Wenn bei den Fanzine-Machern kein Interesse besteht, dann lasse ich es halt bleiben, ganz einfach.
- CS: Die Website soll ja eigentlich über das reine Verzeichnis hinausgehen, also ein Forum als auch mehrere Unterrubriken wie News und inhaltliche Beiträge zur Zine-Kultur beinhalten. Ist es dein Anspruch, so eine Art generelle Plattform für diverse Zine-MacherInnen und -Interessierte zu bieten?
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AD: Genau das ist das Ziel, wie oben bereits dargestellt. Ich möchte kein reines Archiv etablieren, sondern fanzine-index.de soll leben. Die Website soll also noch um ein Forum und eine interaktive News- und Terminliste erweitert werden.
Der Grund, warum ich diese interaktiven Features bislang noch nicht eingebaut habe, ist ganz einfach der, dass eine Website schon über eine stattliche Anzahl regelmäßiger und aktiver Besucher verfügen muß, damit z.B. ein Forum läuft. Tote Foren gibt es im Internet schon zur Genüge. - CS: Wenn ich dich richtig verstanden habe, siehst du fanzine-index.de nicht ausschließlich als DEIN Vorhaben, sondern als eines, das durch und mit anderen Leuten wachsen kann und soll. Wie kann man dich bei diesem Projekt, abseits von der Anmeldung des eigenen Fanzines für das Verzeichnis, unterstützen?
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AD: Das Projekt fanzine-index.de wird [...] nur erfolgreich sein können, wenn sich viele Leute daran beteiligen. Diese Mithilfe beginnt mit dem Eintrag des eigenen Fanzines und regelmäßigen Aktualisierung der Daten und geht über Werbung für das Projekt bis hin zur Bereitstellung von Inhalten (Forenbeiträge, Termine, News, Artikel).
Und: natürlich ist auch allgemeines Feedback wichtig. Wenn ihr also Anregungen habt, dann her damit!
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