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Fragen an KittyPunkRock vom „Kinky Doll Fanzine“

Die fanzine-index.de-Fragestunde, Februar 2008

Die erste fanzine-index.de-Fragestunde 2008 ist gleichzeitig eine Premiere, denn dieses Mal wenden wir uns zum ersten Mal einem Web-Zine zu (eine Druckversion ist allerdings geplant). Es geht um das „Kinky Doll Fanzine“, das ganz frisch erst im Dezember 2007 aus der Taufe gehoben wurde. Die Herausgeberin KittyPunkRock läßt sich stellvertretend für die dreiköpfige Crew von mir mit Fragen löchern.

AD: Wie immer zuerst einmal die Frage an dich, was dich dazu bewegt hat, ein Fanzine zu machen? Der Wille etwas zu verändern, Geltungsdrang, Mitteilungsbedürfnis, einfach überschüssige kreative Energie, …?
KPR: Erstmal: Dankeschön für das Interview. Ich find die Seite, die du ins Leben gerufen hast, echt super, man kann Werbung für sein Fanzine machen und nach Zines mit bestimmten Themen suchen, echt eine tolle Idee.
Jetzt zu deiner Frage: Ich wollte eigentlich schon immer etwas Kreatives machen, weil mir das echt liegt, und auch wollte ich meine eigenen politischen und musikalischen Interessen mit einbringen. Klar spielen Faktoren wie „etwas verändern“, „Mitteilungsbedürfnis“ etc. bei meiner Arbeit auch mit ein, aber mehr zählt für mich etwas zu machen, was es so oft noch nicht gibt, jedenfalls nicht in Deutschland. In Amerika gibt es super viele Zines, die sich mit Punkrock, Frauen in der Punkrockszene oder Feminismus bzw. dem so genannten RIOT-GRRRL-Lifestyle beschäftigen, und ich fand das schon immer super. Ich hoffe eben, dass viele Mädels aus der Szene sich an dem Zine beteiligen und mir dabei helfen, PUNK-GIRLS in der SZENE zu erhalten, und dass es mehr Mädels geben wird, die ihr eigenes Ding durchziehen, sei es musikalisch, politisch oder mit Do-It-Yourself-Stuff.
KittyPunkRock AD: Beschreibe das „Kinky Doll Fanzine“ doch einmal ganz kurz. Es scheint ja – entgegen meinem ersten Eindruck – kein Punk-Zine zu sein, wenn man die aktuellen Inhalte liest.
KPR: Also das Kinky Doll Fanzine ist kein „alltägliches“ PUNK-ZINE, da hast du schon recht, vielmehr beziehen wir uns auf MÄDCHEN in der PUNKSZENE, ihren Lifestyle etc. Wir selber schreiben Reports und Reviews, die mehr Frauen als Männer interessieren dürften, obwohl Männer auf unserer Website auch gerne gesehen sind, so ist es nicht, aber die Zielgruppe für das Fanzine sind und bleiben ausschließlich PUNKGIRLS. Alle, die Bock haben, können auch interaktiv am Zine mitarbeiten, d.h. mir eine Email mit Vorschlägen schicken, worüber sie gerne schreiben und berichten würden, und wenn es gefällt und rockt, dann wird es auf der Website online gestellt und eventuell auch in einer kommenden PRINTVERSION abgedruckt. Es kann auch Werbung für DIY-Stuff wie Bands, Mailorder, Zines, Demos & Konzerte, Lyrik etc. gemacht werden, alles kostenlos.
AD: Und nun kläre mich doch bitte einmal über den Begriff „Rrrriot Grrrl“ auf. Was bedeutet das? Ich assoziierte damit bislang immer einfach weibliche Punks – tendenziell eher ein bißchen kratzbürstig, humorlos, trashig und krawallig. Wie weit liege ich daneben?
KPR: Mit deiner Assoziation liegst du gar nicht so falsch. RIOT GRRRL an sich ist eine in den 90er-Jahren entstandene feministische subkulturelle Bewegung der Punkszene, und man reagierte damit auf die Dominanz der männlichen Punks in der Szene, sei es musikalisch oder auch auf Demos etc. Der Sinn dahinter ist, dass Mädels in der Szene zeigen, dass sie auch ohne die Hilfe vom anderen Geschlecht Dinge wie Konzerte, Bands, Zines etc. auf die Beine stellen können und sich somit selbstbewusst und selbstständig verwirklichen. Klar spielt somit auch FEMINISMUS eine große Rolle.
AD: Das „Kinky Doll Fanzine“ scheint ausschließlich von Frauen für Frauen gemacht. Ihr sprecht in euren Mitmachaufrufen auch ausdrücklich nur „Mädels“ an. Ist das so gewollt? Und welche Gründe haben euch dazu bewogen? Hätte ein Beitrag eines männlichen Autors, Zeichners oder Fotografen tatsächlich keine Chance bei euch?
KPR: Du wirst lachen, denn es gab auch schon einige Anfragen von Kerlen, die Sachen im Kinky Doll Fanzine veröffentlichen wollen, und wir sträuben uns auch nicht dagegen dies abzudrucken, wenn es Hand und Fuß hat, aber hauptsächlich sprechen wir Mädels an, das stimmt schon und so wird es auch bleiben, denn wir sind ein PUNKGIRL-WEBZINE. Es gibt allerdings auch mittlerweile einen Jungen in unserer Runde, der aber eher im Hintergrund agiert, ein guter Freund von mir, den ich bzgl. seiner Arbeit (Interviews etc.) sehr schätze und bei dem mich auch freue, dass er Bock hatte (er kam von sich aus!) uns zu unterstützen. Es ist einfach wichtig, ein Zine zu machen, das Mädels anspricht, und, ohne ständig mit erhobenem Zeigefinger den Feminismus in den Vordergrund zu drängen, einfach Spaß zu haben an der Musik, seine politische Meinung zu vertreten etc.
AD: Hast du eine Idee, woran es liegen könnte, dass es in der Fanzine-Szene so wenige aktive Frauen gibt – und zwar querbeet durch alle Genres, von Musik über Comics bis hin zu Rollenspielen? Nur in Lyrik- und Literatur-Magazinen gibt es nach meiner Wahrnehmung einen einigermaßen hohen Anteil weiblicher Autoren – allerdings sind die Herausgeber auch hier meistens Männer.
KPR: Ich find das auch sehr schade, und es ist mir schon oft aufgefallen, dass in der Fanzine-Szene wenige Frauen auftauchen und wenn, dann sind es wie gesagt meistens feministische RIOT-GRRRL-Zines, was ich absolut OK finde, aber manchmal ist es mit dem Feminismus auch einfach TOO MUCH. Das war auch für mich ein Grund, KINKY DOLL FANZINE ins Leben zu rufen, weil das einfach nicht sein kann. Es gibt so viele Frauen, die was drauf haben, die auch ne Menge Ahnung von Musik, Politik etc. haben, und daraus sollte man was machen. Ich denke auch, dass viele Mädels sich vielleicht einfach nicht trauen etwas eigenes auf die Beine zu stellen, und das ist echt schade, und dass sich viele Mädels auch nicht direkt als Feministin bezeichnen würden und sich daher auch nicht mit den „normalen“ RIOT-GRRRL-Zines identifizieren können.
AD: Ist ein Zine von Frauen für Frauen automatisch feministisch? Sind „Kinky Dolls“ gar „Emanzen“? Oder stellt ihr euch solche Fragen gar nicht, sondern macht einfach, worauf ihr Lust habt?
KPR: Oft werden Girl-Zines direkt mit Feminismus in Verbindung gebracht. Klar ist es als Frau echt wichtig, auf seine Art und Weise Feministin zu sein, aber ich denke, das Image von der birkenstocktragenden Öko-Lesbe hängt einfach noch zu sehr in den Köpfen der Menschen (meist Männer), und das muss echt ein Ende haben, denn weder muss eine Feministin „lesbisch“ sein noch muss die aussehen, als wäre sie gerade aus der Altkleidersammlung entsprungen. Uns kann man ja beispielsweise auch auf unserer Website bewundern, und ich denke, wir sind das beste Beispiel dafür. Klar sollte man als Frau niemals vergessen, wie lange das weibliche Geschlecht unterdrückt worden ist, aber man sollte es auch nicht übertreiben und jedes Mal bei allem, wo Frauen sich nackt oder pornographisch in Szene setzen, im Zick-Zack springen und schreien. Ich selbst find nackte Frauen und Pornos teilweise sehr ansprechend, trotzdem muss man unterscheiden zwischen Ästhetik und frauenverachtendem Material, das ist ganz klar. Aber meiner Meinung nach wird der Feminismus in vielen RIOT-GRRRLS-ZINES einfach als Hauptthema benutzt, und das schreckt vielleicht auch einige Leser/innen ab. Im Kinky Doll Fanzine verarbeiten wir auch ein gesundes Maß an Feminismus, aber wir werden einen Teufel tun und es unseren Leser/innen in jedem Bericht unter die Nase reiben.
AD: Ihr habt ja da beispielsweise ein interessantes Interview mit einem Pinup-Modell, das sehr selbstbewußt und cool rüberkommt – angesichts dessen aber manche, möglicherweise eher männliche, Frauenrechtler vielleicht mahnend den Zeigefinger heben würden. Was würdest du denen sagen? Und noch eine Frage speziell zum angesprochenen Interview: was sind denn eigentlich die „Suicide Girls“? Ihr nehmt darauf ja auch in eurem anderen Interview Bezug.
KPR: Dazu muss ich einen kleinen Vorfall erzählen: Ich habe den Link für unsere Website in einem deutschsprachigen RIOT-GRRRL-FORUM gepostet und wurde direkt auf dieses Interview angesprochen, klar gab es auch viele positive Meinungen zu unserer Seite, aber die Sache mit den Suicide Girls machte viele von den Mädels echt wütend, was mich total enttäuscht und auch verwundert hat, weil ich finde, dass gerade die Suicide Girls viel Selbstbewusstsein ausstrahlen. Was ich auch schon oft gelesen habe, z. B. in Foren etc. ist, dass viele Mädels kritisieren, dass auch bei den Suicide Girls schlanke und weiße Mädchen überwiegen, doch ich selbst empfinde das nicht so. Mittlerweile sind auf der Seite so viele verschiedene Charaktere zu bewundern, seien es schlanke oder auch etwas pummeligere und fast dicke Mädchen, Mädchen mit kleinem oder großem Busen und auch schwarze oder asiatische Mädchen, und ich finde das super, denn es geht darum, Mädchen Selbstbewusstsein zu vermitteln, indem sie ihre Bilder hochladen, sich nackt zeigen und ein angemessenes Feedback erhalten, weil jedes der Mädchen in eigenes Profil, einen eigenen Blog und ein eigenes Gästebuch dort besitzt. Ich bin selbst dort angemeldet und werde in den kommenden Monaten mein Set an die Suicide Girls schicken, und mir wurde absolut nicht vorgeschrieben, wie ich mich auf den Fotos präsentieren muss. Ganz im Gegenteil, es ist jedem Mädel selbst überlassen, ob es viel oder weniger zeigen möchte, und ich empfinde die Bilder als alles andere als frauenverachtend, denn bei den Suicide Girls handelt es sich um tätowierte Punkrock- oder Gothicmädels, die selbstbewusst und frech sind.
AD: Für dieses Jahr habt ihr das Erscheinen einer ersten gedruckten Ausgabe des „Kinky Doll Fanzine“ angekündigt. Kannst du dazu schon etwas sagen? Gibt es dafür ein bestimmtes Konzept, das es vielleicht von anderen Zines unterscheiden wird? Sucht ihr noch Beiträge – und wenn ja: was für Anforderungen habt ihr?
KPR: Also an der Printausgabe arbeite ich bereits fleißig. Man kann sie dann über unseren Mailorder bestellen, und es gibt sie in S/W und in Farbe, was dann aber auch etwas mehr kosten wird. Außerdem verkaufen wir bald auch noch Sticker, Buttons und Merchandise von lokalen Punkbands extra für Mädels. Und natürlich suchen wir supergern fleißige Leute, die uns unterstützen wollen, denn davon lebt KINKY DOLL FANZINE, und das möchte ich auch so beibehalten. Klar bin ich so zusagen die Chefin und bestimme, was online geht bzw. was in der gedruckten Ausgabe erscheinen wird, aber ich will auch Feedback und viele viele Mädchen aufrufen sich am Fanzine zu beteiligen. Auch können (lokale) Punkbands sich gerne mit uns in Verbindung setzen bzgl. unseres Mailorders, d.h. wir bieten dort auch gerne deren Merchandise für Mädels an.
AD: Wenn man danach geht, wo die „Kinky Doll“-Redakteurinnen sitzen, scheint ihr überregional oder gar bundesweit zu agieren. Insofern war ja ein Web-Zine naheliegend. Gibt es denn trotzdem so eine Art „home base“, die vielleicht für einen Regionalbezug sorgen wird und wo die gedruckten Hefte schwerpunktmäßig zu kriegen sein werden?
KPR: Also der Hauptsitz liegt schon im Ruhrgebiet bzw. zwischen Wuppertal und Dortmund, und da wird er auch bleiben. Wie schon gesagt, werden wir das Fanzine hauptsächlich über unseren eigenen Mailorder vertreiben und eventuell auf Konzerten befreundeter Bands. Es war mir nur wichtig, dass, wenn wir z. B. über Konzerte o.ä. berichten, auch überregionale Sachen dabei sind, um noch mehr Mädels auch außerhalb von NRW anzusprechen.
AD: Nun noch etwas, das gar nichts direkt mit eurem Zine zu tun hat, das mich aber interessiert. Man hört seit geraumer Zeit ständig die Begriffe „Emo“ und „Emos“, und auch mein kleiner Bruder und seine Freundin benutzen es häufig (meistens mit verdrehten Augen). In eurem Interview mit der Modedesignerin von „Collectif Clothing“ wird auch über die Emo-Szene gelästert. Kläre mich bitte mal auf: was ist denn heute Emo? Ich kannte früher nur den Begriff Emo-Punk, aber auch dessen Bedeutung war mir nie ganz klar. Ich habe damals Bands wie EA80 und But Alive damit in Verbindung gebracht. Aber mit Punk scheint Emo heute ja eher nichts zu tun zu haben, oder?
KPR: Von der so genannten „Emo-Szene“ wende ich mich total ab, denn für mich ist das nur noch ein absolut lästiger Trend geworden, bei dem alle meinen, „wenn ich einen Pulli mit Sternen trage oder mir die Haare färbe und toupiere, bin ich total Emo“. Es ist lächerlich und nervig, besonders weil viele Leute einfach nicht wissen, was EMO noch vor ein paar Jahren war, und das finde ich sehr traurig. Für die meisten ist Emo „My Chemical Romance“, und das finde ich einfach nur furchtbar. Wie gesagt: ich distanziere mich vollkommen von dieser Szene, und ich möchte auch echt keine Mädels ansprechen, die diesem Trend nachrennen, so leid es mir tut, aber das Fanzine ist echt nur für Mädchen, die wissen, wer sie sind, und nicht krampfhaft versuchen etwas zu sein, was man ihnen vorgibt.
AD: Was muss passieren, damit ihr sagt: „Jawoll, das Fanzine macht uns richtig Spaß, es ist ein voller Erfolg – das machen wir immer weiter!“, – und was muss geschehen, damit ihr sagt: „Ach – das Fanzine macht nur Arbeit, ohne dass etwas dabei herauskommt. Wir hören auf.“?
KPR: Im Moment liebe ich die Arbeit einfach nur, auch wenn es am Anfang immer total schwierig ist Fuß zu fassen. Für mich ist aber trotzdem kein Ende in Sicht. Natürlich klar: wenn ich merke, es findet keinerlei Zuspruch, werde ich es nicht mehr so intensiv betreiben und wohl auch keine Printausgabe unter die Leute werfen, aber solange ich merke, Mädels interessieren sich dafür und melden sich im Forum an, adden unsere Myspaceseite und wollen interaktiv am Fanzine mitmachen, habe ich das geschafft, was ich wollte, und momentan sieht es danach aus. Und echt, ich klopf auf Holz, denn ich will das Ding groß rausbringen. Das ist mein größter Wunsch, und ich hoffe, das klappt.
AD: Danke, dass du dir die Zeit für meine Fragen genommen hast! Zum Schluß hast du nun vielleicht noch etwas, das du loswerden möchtest?
KPR: Einfach nur, dass ich hoffe, dass viele Leute mit Hilfe deiner Seite auf das Fanzine aufmerksam werden, es supporten und mir zeigen, dass sie Bock auf das haben, was ich mache. Das würde mich einfach nur total freuen!
Ich hab mich sehr über das Interview gefreut. Dankeschön!